Thrombophilie oder „Wenn die Blutgerinnung aus dem Gleichgewicht gerät“

Bedeutung für die Entstehung und Therapie der venösen Thrombose

Die Blutgerinnung=Hämostase ist ein lebenswichtiger Vorgang, der bei Verletzung von Blutgefäßen, die unvermeidbare Blutungen zum Stillstand zu bringen. Und nicht nur das: Es werden durch die Blutgerinnung bereits die Voraussetzungen für die nachfolgende Wundheilung geschaffen. Blutgerinnung und Auflösung des Blutgerinnsels stehen normalerweise in einem komplizierten Gleichgewicht. Kommt es zu einem Ungleichgewicht, können einerseits verstärkt Blutungen auftreten, andererseits können Blutgerinnsel auch ohne Gefäßverletzung „einfach so“ entstehen. Man spricht dann von einem Thrombus bzw. einer Thrombose.

„Erworbene“ Faktoren, die zu einer Gerinnselbildung, nahezu immer in den Beinvenen, führen können, sind durch Immobilität bzw. fehlendem Einsatz der Beinmuskulatur bedingt (z.B. Gips, Schlaganfall).

Rauchen, Übergewicht, Östrogeneinnahme, nicht zu vergessen Schwangerschaft und Wochenbett sowie bösartige Tumoren und Krampfadern lassen das Thromboserisiko ebenfalls ansteigen.

Daneben gibt es die vererblichen Gerinnungsstörungen, die in Europa mit einer Häufigkeit von ca. 10% vorkommen, aber bei weitem nicht jeder der Träger erleidet eine Thrombose!

Liegen angeborene Faktoren vor, die eine erblich (genetisch) bedingte Neigung zu Thrombosen begründen, spricht man von Thrombophilie (im engeren Sinne). Bei der Vererbung eines Merkmals erhält man die Hälfte der Gene von der Mutter und die andere Hälfte vom Vater. Sind beide Merkmalsanlagen gleich, so spricht man von „homozygot“, erhält man von Vater und Mutter für ein Merkmal zwei unterschiedliche Anlagen, so spricht man von „heterozygot“.

Von einer erblichen Vorbelastung spricht man dann, wenn Blutsverwandte (Großeltern, Eltern, Geschwister) bereits an Thrombosen erkrankten.