Thrombose und Lungenembolie

Die Thrombose ist eine Gefäßerkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einem Blutgefäß bildet.

Obwohl Thrombosen in allen Gefäßen auftreten können, ist umgangssprachlich meist eine Thrombose in den tiefen Beinvenen (Phlebothrombose) gemeint. Mehr als 90 % aller Venenthrombosen treten im Becken-/ Beinbereich auf.

Von tiefen Venenthrombosen (TVT) spricht man, sobald die tiefliegenden und direkt zum Herz führenden großen Venen betroffen sind. Zur Abgrenzung werden oberflächliche Thrombosen als Thrombophlebitis bezeichnet. Krampfadern sind dafür die häufigste Ursache. Oberflächliche Thrombosen können jedoch ins tiefe Venensystem "hineinwachsen" oder gespült werden und zu einer tiefen Thrombose werden.

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 100.000 Menschen an einer Venenthrombose. Mehr als 900.000 Patienten leiden in unserem Land an den Folgen einer Thrombose, wobei die Dunkelziffer weit höher liegt. Die gefürchtetste Komplikation der Venenthrombose ist die Lungenembolie, bei der Teile des Blutgerinnsels in die Lunge gelangen. In Deutschland sterben jährlich bis zu 40.000 Menschen an einer Lungenembolie.

Ursächlich für eine Thrombose (beschreibend für Venen und Arterien) sind drei Faktoren, die nach dem deutschen Pathologen Rudolf Virchow (1821-1902) benannt wurden (sogenannte Virchow’sche Trias):

Veränderungen an der Gefäßinnenwand

Schäden an der Gefäßwand führen zu einer Aktivierung der Blutgerinnung, wodurch ein Blutgerinnsel entsteht. Zunächst lagern sich die Blutplättchen an die verletzte Venenwand an, im weiteren Verlauf führt der Gerinnungsstoff Fibrin zusammen mit den roten Blutkörperchen zu der Bildung eines Thrombus (Blutgerinnsel).

Ursache für wandverändernde Prozesse sind:

  • Altersbedingte Veränderungen
  • Operationen
  • Entzündliche Veränderungen der Venen
  • Krampfadern
  • Diabetes
  • Diskutiert werden durch Kohlenmonoxid (Rauchen) bedingte Wand-Schädigungen
  • Giftige Stoffe bei bösartigen Tumoren

Veränderungen der Strömungsgeschwindigkeit des Blutes

Virchow stellte fest, dass Gerinnsel immer dort gehäuft auftreten, wo das Blut nicht gleichmäßig und in der gewohnten Geschwindigkeit fließt. Im arteriellen System bilden sich Thromben daher bevorzugt an den Teilungsstellen (große Arterie teilt sich in zwei kleinere oder gibt einen Seitenarm ab; Beispiel Carotisstenose), weil es an der Teilungsstelle zu Verwirbelungen kommt. In erweiterten Gefäßabschnitten (Krampfadern, Aneurysmen) sinkt die Flußgeschwingkeit.

  • Herzerkrankungen
  • Druck von Aussen, z.B. in der Schwangerschaft
  • Beckenvenensporn
  • durch Bettlägerigkeit verursachte Bewegungsunfähigkeit (u.a. nach Operationen oder im Gipsverband)
  • Knicken der Venen durch langes Sitzen mit eingeengter Bewegungsmöglichkeit (Bus- u. Flugreisen)
  • Krampfadern

Veränderungen der Viskosität und / oder der Zusammensetzung des Blutes

Schließlich stellte Virchow fest, dass „dickes“ Blut leichter gerinnt als „dünnes“. Diese Eigenschaft bezeichnet man bei Flüssigkeiten als Viskosität. Eingedicktes Blut entsteht z. B. durch Flüssigkeitsmangel (wenig trinken, trockene Luft), aber auch durch vermehrtes schwitzen (schwere Arbeit, Fieber).

  • Geringe Flüssigkeitsaufnahme
  • Entwässernde Therapie
  • Schwangerschaft
  • Verstärkte Blutgerinnung oder verminderte Fähigkeit, Blutgerinnsel aufzulösen (erblich bedingt oder medikamentös hervorgerufen)
  • bestimmte Nahrungsmittel oder Toxine, die Einfluss auf die Blutgerinnung haben
  • bösartige Tumoren
  • chronische und akute Entzündungen

Symptome

Je nach Lage, Art und Größe der Thrombose können die Symptome sehr unterschiedlich sein. Typischerweise leiden die Erkrankten bei einer tiefen Beinvenenthrombose an folgenden Symptomen:

  • Unterschenkel- oder Beinschwellung der betroffenen Extremität
  • Schmerzen, v.a. bei Belastung (Linderung bei Hochlagerung)
  • Manchmal Verfärbung
  • Spannung der Haut (die Haut „glänzt“)
  • Druckschmerz über dem betroffenen Venenabschnitt
  • Fußsohlendruckschmerz
  • Eventuell sichtbare oberflächliche Venen (Stauung)

Die Symptome müssen nicht alle gemeinsam auftreten, auch die Ausprägung der Symptome kann sehr unterschiedlich sein, so dass viele Thrombosen unbemerkt verlaufen (50 %). Tückischer weise können auch unbemerkte Thrombosen zu einer schweren Lungenembolie führen. Eine Lungenembolie kann zu Luftnot, Bluthusten, atemabhängigen Brustschmerzen sowie Bewußtlosigkeit und Kreislaufkollaps führen. Typischerweise treten die Symptome plötzlich auf. Je nach Ausdehnung des betroffenen Lungenabschnitts können Symptome ganz fehlen oder nur sehr mild ausgeprägt sein, so dass auch eine Lungenembolie unbemerkt verlaufen kann.

Bei jedem Verdacht auf eine Thrombose sollten Sie den Arzt aufsuchen. Nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt der Sie nach Risikofaktoren und Beschwerden fragen wird, folgt die Untersuchung. Zur sicheren Diagnose einer Venenthrombose verwendet man Ultraschall (Doppler-Sonographie) und in Einzelfällen die Phlebographie (Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel). Eventuell kann auch eine Kernspintomographie oder eine Computertomographie von Nutzen sein. Auch Blutuntersuchungen können wertvolle Hinweise liefern, um sogenannte D-Dimere im Blut nachzuweisen. Mit einer Sensitivität von 95% ermöglicht es ein negativer D-Dimer-Test bei gleichzeitig niedrigem Risikoscore, das Vorliegen einer tiefen Beinvenenthrombose mit ausreichender Sicherheit. Die Spezifität hingegen ist gering, so dass erhöhte D-Dimere keinesfalls als Beweis für eine Thrombose ausreichen.

Um eine Lungenembolie zu diagnostizieren, wird ebenfalls eine Risikoeinschätzung vorgenommen, ein Bluttest gemacht sowie verschiedene bildgebende Verfahren (hier sind Herzultraschall und Computertomographie zu nennen) durchgeführt.